tiefe der welt (1)

Jakob Böhme

„Wenn du die Tiefe und die Sterne und die Erde ansiehest, so siehst du deinen Gott, und in demselben lebest und bist du auch, und derselbe Gott regiert dich auch, und aus demselben Gott hast du auch deine Sinne und bist eine Kreatur aus ihm und in ihm, sonst wärest du nichts. … Also können wir mitnichten sagen, daß Gottes Wesen etwas Fernes sei, das eine sonderliche Stelle oder Ort besitze oder habe; denn der Abgrund der Natur und Kreatur ist Gott selber.“

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die religionen haben ihr leben ausgehaucht, aber sie waren ein übungsfeld für die zukunft; es gilt sie zu beerben.

„Es gibt eine andere welt, aber sie ist in dieser.“

die religionsgeschichte wird eines tages als ein übungsfeld für diese große synthese gesehen werden. eine frühe übung, bei der als vereinfachungszugeständnis die „andere welt“ noch als von dieser gesondert, als jenseitig aufgefasst wurde. allen menschen wurde jahrtausende hindurch immerhin eingebleut, dass es mit der funktionskettenwelt nicht sein bewenden hat.

und ausgerechnet jetzt, an dem umschlagpunkt, an dem die getrennte welt sich erschöpft hat und die übung durch synthese der zwei welten in realität übergehen sollte– ausgerechnet jetzt wird diese jahrtausende-übungslehre, die so viel blut und tränen gekostet hat, schlicht unwirksam und vergeblich gemacht, indem nicht die anstehende synthese in angriff genommen wird – eine andere welt in dieser – sondern das andere schlicht gestrichen und die traditionelle diese welt – die funktionswelt ohne jedes andere – schlicht als das reale gesehen wird, das übungs-jenseits als phantasterei, die man nicht weiter braucht.

something new

lange genug habe ich nach dem horizont gesucht, in den ich eintauchen könnte. nach dem horizont, der nach gott möglich ist. ein horizont im prozess, als geschehen.

nun nahe dem 1. april!, nehme ich diesen horizont in mich hinein. und siehe da, was ergibt sich? ein hochzeitsgeschehen! ein liebesverkehr der zartesten und inspirierstesten art. wer ist da miteinander zugange?? es beginnt eine entdeckungstour. oder sollten wir es gar nicht so genau wissen wollen? aber man ist ja doch neugierig.

platte möglichkeiten wären: die weibliche und die männliche gehirnhälfte. oder:

die 3d-welt (die funktionskettenwelt, die wir zwangsweise, um zu überleben, nicht ausschlagen dürfen) und die erweiterte, reale, poetische welt.

nein, das ist zu vordergründig.

gerne würde ich einfach sagen: atman und brahman. aber das ist zu begrifflich und unerotisch. es sei denn, man gäbe den beiden schwerenötern die erotische dimension,die ihnen zweifellos zukommt. ich bin sicher, im indischen „übenden denken“ finde ich die antwort. in yoga oder tantra wahrscheinlich.

Unter allen im „Religionsmonitor“ (Bertelsmann-Stiftung 2016) abgefragten Lebensbereichen werden Religion und Spiritualität mit Abstand als die unwichtigsten eingeschätzt.

Ein Weiteres überrascht: Auch die Ablehnung jeglicher Religiosität, also der Atheismus, ist vielen Deutschen nicht geheuer. Immerhin 36 Prozent der Westdeutschen empfinden den Atheismus als Bedrohung 

Die Frühromantiker, die an der Religion festhalten wollten,

taten dies, indem sie Religiosität primär als

Selbsterfahrung des Unbedingten im eigenen Ich

deuteten, wobei sie diese Selbsterfahrung nicht allein

aus der Vernunft, sondern auch aus der

Fantasie herleiteten, die es mit eigenen

Setzungen und Bildern des Unbedingten

zu tun habe. Vor diesem Hintergrund

konnten dann auch die Religionen

als Ausdruck des Weges der Menschheit

zum Begreifen der eigenen Subjekthaftigkeit

verstanden werden.

(nach herbert uerlings)